1. Inventar
»Nein«, sagte Clara. »Wenn wir den Satz stehen lassen, ist das keine Übergangsregelung mehr. Dann ist es eine Zusage.«
Auf dem Bildschirm schwiegen sechs Gesichter. In Kronach war es kurz nach fünfzehn Uhr, in New York erst kurz nach neun Uhr morgens. Auf dem Boden hinter Clara standen drei offene Kartons, die sie am Vorabend mit einem schwarzen Filzstift beschriftet hatte: BEHALTEN, VERKAUFEN, WEG. Die niedrige Kameraposition erfasste nur ihren Oberkörper und die Wand hinter ihr; die Kartons lagen unterhalb des Bildausschnitts.
Jemand öffnete das Mikrofon und begann mit: »Rein praktisch …«
»Rein praktisch ist der Unterschied in drei Monaten relevant.« Clara rief die betreffende Seite auf und markierte den Halbsatz. »Wir nehmen das hier heraus, setzen die Definition aus Abschnitt acht ein und schicken ihnen die bereinigte Fassung. Ohne Kommentar am Rand.«
»Bis wann?«
Clara blickte nicht auf die Uhr, sondern antwortete sofort: »Elf dreißig.«
»Unsere Zeit?«
»New Yorker Zeit«, sagte Clara.
Sie verteilte die nächsten Schritte, ließ sich zwei Termine bestätigen und strich einen Punkt von der Liste neben ihrer Tastatur. Auf dem fast leeren Wohnzimmertisch lag nur, was sie für die Konferenz brauchte: Laptop, Telefon, Notizblock, ein Glas Wasser. Normalerweise lag ein Läufer auf dem Tisch. Ohne ihn zeigte die Platte in der Mitte ein helleres Rechteck.
Als die anderen sich bereits verabschiedeten, blieb eine Kollegin noch im Bild.